Im Februar 1984 haben die Hörigen der kommunistischen Diktatur der CSSR auch mich (heute Delegierter der VOS – LG Niedersachsen/Hannover) darangehindert, wie ich im Alter von 18Jahren dabei war durch einen Fluchtversuch an der Grenze von Bratislava nach Österreich dem Diktat des SED-Regimes zu entkommen.
Hier begann meine Passion durch die Justizbehörden, inklusive dem Aufenthalt im berüchtigtem Jugendhaus Halle (frohe Zukunft), man lese nur das Buch (nun schon zweite Auflage)„Die Schlägerei hört einfach nicht auf“.
Also aus eigenem Interesse folgte ich so einer Einladung der UOKG für Mittwoch, 22. Juli 2026 | 10 Uhr Österreichisch-slowakische Grenze (Kittsee/Petržalka), Preßburger Str. Ecke Kittsee-Neuriss-Grenzweg, 2421 Kittsee, zur offiziellen Einweihung der Gedenktafel für Hartmut Tautz in Kittsee auf dem Gebiet Österreichs [48°06’10.4″N 17°05’01.3″E].
Im Kofferraum, ein Blumengesteck mit schwarz-rot-gold usw., als Beitrag unserer VOS.
Damit schloss ich mich dem Auto des Initiators A. Heise zum Nav-Point fahrend an.
Evelyn Zupke, Dieter Dombrowski und Gefolge stellten sich dann zur Gedenktafel, wo dann auch bald die Vertreter der Presse (ORF Burgenland, slovakisches TV und privat) auftauchten, um zu berichten.

Dieter Dombrowski, Evelyn Zupke und Ján Košiar bei Harmut Tautz Denkmal auf der slowakische Seite.
Von deutschen Berichterstattern aber keine Spur, war doch das eigentliche Ziel von Hartmut Tautz doch eher die Bundesrepublik Deutschland?!
Nach den üblichen Vorgesprächen mit den Teilnehmern auch aus dem europäischen Raum und Austausch von Visitenkarten usw., starteten dann etwas verspätet, die festgelegten Redner, ihre Vorträge.
Im Anschluss stellten sich noch diese Redner der Presse zu Interviews mit den TV-Sendern.
Am Ende stand eine Einladung vom Bürgermeister in den Biergarten. Schluss.
Später dann, ich fuhr nach Wien, auf dem Zentralfriedhof, traf ich in meiner Tourgruppe eine kühne Dame gebürtig in Bratislava, der aber damals die Flucht (mittels Schiff) über die Donau gelungen war.
Jedoch ein Einblick in ihre Stasiakten wird ihr von den Nachkommen der Marionetten des kommunistischen Regimes der heutigen Slowakei verwehrt, so erzählte sie.
Aber ein Lob an den Mitarbeiter, der die Tour auf dem Zentralfriedhof leitete, denn er kennt ganz genau auch die Aufbauten der Gedenksteine und Tafeln für Hartmut Tautz im Raum Kittsee.
Wichtig für mich war es doch auch, noch einmal die Stationen meiner Flucht 1984 in Bratislava gründlich zu erforschen.
Da ich nun schon mal nach Bratislava zurück gekehrt war habe ich hier in der Krönungskirche Martinsdom auch ein Licht für Hartmut Tautz gezündet. Der Martinsdom war 1984 auf meiner Flucht einst eine wichtige Station.
Auch wichtig, noch ein Foto machen, von meiner unglaublich ästhetischen,damaligen Flucht-Station: fünf Sterne Luxushotel „Carlton“.
Setze zum Foto unter einer Laterne an und da, ein furchtbar großer Brocken fiel auf mein bestes, gerade angezogenes Hemd, Blick nach oben zur Laterne, na?
Richtig, eine Taube und es schien so, als hätten die Kommunisten auch dieses Tier noch als Strafe gegen mich indoktriniert und angesetzt!
Die Berichterstattung im Internet ist im Ausland ganz ausgezeichnet.
Ihr könnt die Veranstaltung im Netz komplett sehen unter: https://alianciazanedelu.sk/archiv/20048
Weitere Einblicke sind Sendebeiträge von ORF Burgenland und der Link zum Thema bei der Stiftung Aufarbeitung.
Redenin Auszügen, exakter Wortlaut:
Johannes Hornek (Bürgermeister Kittsee ÖVP)
„Mit H. Tautz ist ein junger Mann ums Leben gekommen, der sich nicht mehr einer Diktatur und nicht mehr einer Unterdrückung beugen wollte und hat es mit seinem Leben bezahlt. Es ist vierzig Jahre her … … was machen wir jetzt?
Vierzig Jahre später, seitdem er gestorben ist, ist Europa wiederum in eine Richtung gedrängt worden, wo wir Grenzen wollen, wo wir den Ruf nach starken Männern wollen und wo die Masse der Leute nicht mehr selber denken wollen, sondern geleitet werden wollen.
Das ist schlimm für mich und deswegen ist es auch hier ganz wichtig, dass wir die Erinnerungskultur aufleben lassen und solche Zeichen, wie diese Tafel vielmehr in Europa setzen sollten.
Als ich vor einem Jahr oder anderthalb Jahren ein Telefonat bekommen habe, hier do hob i g´sogt: „jomochma“.
Das war eigentlich etwas verwundert, ja? Da hab i g´sagt: warum usw. usw.
Und das Dollste woar, wo is er? Na, na is, dahinten steht er, da ist er gekommen na, hat die Tafel gebracht (einige Leute lachen, es geht lustig zu) und ruckzuck sieben Stunden später hinterließ er diesen Stand.
Es ist für uns wirklich in der Gemeinde ganz ganz wichtig und ich wiederhol´ mich hier, Erinnerungskultur zu leben. Das will ich immer wiederum weiter geben, weil ,dass muss ich noch kurz ansprechen, wir haben vor sechs Jahren ebenfalls hier ein Kreuz aufgestellt, als Erinnerung als 1945 die Karpatendeutschen von ihrer, aus ihrer Heimat vertrieben worden sind.
Sie haben eine neue Heimat gefunden. Ich hob immer g´sagt eine Bessere. Aber das mag ich net beurteilen nach meiner Meinung war´s auch besser, aber die Erinnerungskultur lebt und wir haben hier jetzt mit dieser Tafel eigentlich wiederum gezeigt: immer wieder erinnern, erinnern, erinnern und aus der Geschichte lernen.
So, jetzt hat der Politiker genug gesprochen, jetzt bist Du dran.
Ja, mein Name ist Alexander Heise, ich bin der Initiator der Tafel mit meinem guten Freund Wolfgang Bachkönig, der nachher auch noch reden wird.
Wir haben jetzt ein Jahr intensive Arbeit gehabt dieses Schild zu erstellen, auch über Ländergrenzen hinaus, freu mich sehr das so zahlreiche Gäste hier gekommen sind zur Eröffnung.
Wir haben jetzt vierzig Jahre fast den tragischen Hergang und deshalb ist es um so schöner, dass wir jetzt nach diesen fast vier Jahrzehnten, hier eine würdige Tafel auf burgenländlichem haben.
Freue mich sehr und bedanke mich bei allen Beteiligten. Ich gebe das Wort an:
Evelyn Zupke (SED-Opferbeauftragte) Berlin.
Ja, lieber Herr Bürgermeister Johannes Hornek, lieber Herr Wolgang Bachkönig, lieber usw. usw., vor vierzig Jahren ist Hartmut Tautz gestorben, er wurde nur achtzehn Jahre alt.
Zweiundzwanzig Meter von der Grenze entfernt hetzten Wachsoldaten ihre Hunde auf Hartmut Tautz.
Die Hunde zerfleischten ihn, es waren nur zweiundzwanzig Meter.
Ein Mensch braucht für zweiundzwanzig Meter im normalem Geh-Tempo etwa fünfzehn Sekunden.
Fünfzehn Sekunden, so nah war Hartmut Tautz der Freiheit, diesefünfzehn Sekunden hat er nicht mehr bekommen. Vielleicht sah er in diesem Moment die Lichter von Kittsee, vielleicht sah er darin schon die Freiheit und vielleicht sah er seinen Traum wieder aufleben, die Musik, die Klarinette. Die DDR hatte ihn den Traum genommen Musik zu studieren, trotz mündlicher Zusage und einem großen Talent, sollte er bei der nationalen Volksarmee nicht ins Armeemusikchor, vermutlich weil er Westkontakte hatte.
Mit nur achtzehn Jahren sah H. Tautz sein Lebenswerk zerstört und er fuhr ganz allein, ohne irgendjemanden einzuweihen an die slowakisch-österreichische Grenze.
Meine Damen und Herren, Geschichte besteht immer aus Geschichten, es sind persönliche Geschichten, wie die von H. Tautz, die uns menschlich nahe gehen und die deshalb so wichtig sind, für unsere Erinnerungskultur.
Die kommunistische Diktatur zerstört zuerst den Lebenstraum eines jungen Menschen und lässt ihn dann bei seiner Flucht mit dem Leben bezahlen.
Seine Geschichte kann gerade jüngere Menschen berühren, die selbst keine Erinnerung an die Gewaltherrschaft haben.
Die Erinnerung weiterzugeben an die nächste Generation, dafür setze ich mich, als SED-Opferbeauftragte beim deutschen Bundestag ein.
Jugendliche wissen sehr genau wie wichtig ihnen ihre Lebensträume und ihre Individualität sind und sie merken an Hand von Geschichten, wie der von H. Tautz, dass in der Diktatur kein Platz gewesen wäre diese Träume auszuleben. Das Erinnern an persönliche Schicksale verhindert, dass die kommunistische Diktatur zur abstrakten Historie wird, zu Jahreszahlen, zu Statistiken. Die Erinnerung an H. Tautz holt die Verfolgung in der Diktatur aus der Anonymität.
Die anonyme Historie bekommt ein persönliches Gesicht. Das schrieb auch die Schwester von H. Tautz, Karola Tautz kürzlich in einer E-Mail, ich zitiere:
„An das Schicksal von Hartmut zu erinnern und die die nächsten Generationen dafür zu sensibilisieren, sich für demokratische Werte zu engagieren, begrüßen wir sehr. Mit dem Errichten der Gedenktafel gibt es nun einen weiteren Ort, an dem das Andenken an meinen Bruder lebendig bleibt. Wie schön, wie schön schreibt Karola Tautz, ich denke wie wichtig, wie wichtig es ist, dass solche Gedenktafeln entstehen. Unsere Erinnerung bekommt dadurch einen konkreten Ankerpunkt und einen emotionalen Bezug. Lieber Herr Bürgermeister Hornek, Sie machen mit der Gedenktafel für H. Tautz Geschichte vor Ort sichtbar. Ich hoffe das die Gedenktafel für H. Tautz, Schule machen wird. Wir sollten noch an viel mehr Orten an Menschen erinnern, die durch kommunistische Gewaltherrschaft unterdrückt oder gar ermordet worden.“
Das wir diese Gedenktafel heute einweihen, dafür haben sich viele Menschen engagiert.
Mein herzlicher Dank geht an Sie lieber Herr Hornek und an die Gemeinde Kittsee, an Sie lieber Herr …. usw. usw. Meine Damen und Herren, der eiserne Vorhang zog sich durch ganz Europa von der Ostsee bis zur Adria, wir erinnern an europäische Geschichte der Unfreiheit der kommunistischen Diktatur. Das zeigt uns, wie eng in Europa wir einander verbunden sind.
Im Leid von Damals und in der Freiheit von heute. Gestern war ich am Gedenkpark Norwisch. Und der Gedenkstätte zum Pan-europäischem Picknick dort wo Sie, lieber Herr Arpadella am neunzehnten August nicht geschossen haben, sondern die Flüchtlinge passieren ließen.
So nah von hier, wo H.Tautz für seine Liebe zur Freiheit mit dem Leben bezahlte, enrtstanden nur drei Jahre später die ersten Löcher an dieser totbringenden Grenze.
Wie schön wäre es gewesen, hätte H. Tautz das noch miterleben dürfen.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!
Dr. Christine Schoenmakers (Bundesstiftung Aufarbeitung) Berlin
Sehr geehrter Bürgermeister Hornek, geehrte Frau Zupke usw. usw.
Im Namen der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur danke ich Ihnen herzlich für die Einladung.
Ich freue mich sehr heute, an diesem besonderen Ort sprechen zu dürfen.
Die Bundesstiftung hat die Errichtung dieser Gedenktafel gern unterstützt, sie sind das Ergebnis von Menschen die Verantwortung übernehmen, dafür sorgen, dass Geschichte sichtbar bleibt. Auf der Tafel steht ein Satz der mich besonders bewegt und zum Nachdenken gebracht hat. Er träumte von Freiheit und verlor sein Leben. Dieser Satz erzählt mit wenigen Worten nicht nur vom Schicksal von H. Tautz, er erinnert uns daran wie kostbar Freiheit ist und wie hoch der Preis war den viele Menschen für den Wunsch nach einem selbstbestimmten Leben bezahlen mussten. Dabei geht es heute nicht allein um die Erinnerung an einen jungen Mann aus Magdeburg, dieser Ort hier macht sichtbar, dass die Geschichte der deutschen Teilung immer auch die Geschichte der europäischen Trennung war. Der eiserne Vorhang trennte Staaten, aber vor allem trennte er Menschen, er durchschnitt Lebenswege, Familien und Zukunftspläne.
Für Hartmut Tautz war das Burgenland ein Symbol der Freiheit, Kittsee mochte für ihn der erste sichtbare Ort auf der anderen Seite der Grenze gewesen sein. Scheinbar nah, doch durch schwer überwindbare Sperranlagen getrennt. Heute können wir uns diese Grenze kaum noch vorstellen.
Menschen reisen selbstverständlich zwischen Bratislava und Wien, aus einer tödlich bewachten Trennlinie, ist eine offene europäische Grenze geworden.
Aber gerade deshalb dürfen wir die Erinnerung ab Orte wie diesen nicht verlieren.
Für junge Menschen liegt das Ende des eisernen Vorhanges inzwischen zum Glück weit zurück. Die europäische Teilung gehört indessen nicht zur eigenen Lebenserfahrung. Viele kennen sie nur aus dem Geschichtsunterricht, manche bislang kaum oder gar nicht. Erinnerung muss daher immer wieder neu vermittelt werden. Man muss verständlich machen was Diktatur und Unfreiheit für den Alltag der Menschen bedeuten und sie muss zeigen das Freiheit, Demokratie und Menschenrechte keine abstrakten Begriffe sind, denn sie bestimmen ob Menschen ihr Leben selbst gestalten, ihre Meinung äußern, ihren Wohnort wählen und Grenzen ohne Angst überschreiten können. Aus der Perspektive der historisch politischen Bildungsarbeit gesprochen, sollte es unser Anspruch sein nicht nur diejenigen zu erreichen, die sich ohnehin für diese Geschichte interessieren.
Historisch politische Bildung muss auch Menschen ansprechen, die bisher nur wenige Zugängezu ihr gefunden haben, Menschen mit unterschiedlichen Bildungsvoraussetzungen und Familien in denen die Geschichte der europäischen Teilung bisher kaum eine Rolle spielten. Sie alle bringen Erfahrungen und neue Fragen mit und darin liegt eine große Chanse, denn Erinnerungskultur wird nicht schwächer wenn unterschiedliche Perspektiven hinzu kommen, sie werden lebendiger, offener und zu einer gemeinsamen Angelegenheit.
Die Gedenktafel bezeichnet sich selbst auch als ein Mahnmal für ein geeintes und friedliches Miteinander.
Treffender lässt sich ihre Bedeutung kaum beschreiben, sie erinnert an einen jungen Menschen der die Freiheit suchte.
Sie erinnert an eine Grenze die überwunden wurde und sie erinnert uns daran das Frieden, Freiheit und Demokratie niemals selbstverständlich sind.
Sie müssen bewahrt, vermittelt und immer wieder neu mit Leben gefüllt werden.
Ich wünsche diesem Erinnerungsort viele Besucherin und Besucher, viele junge Menschen und viele Gespräche, Gespräche die nicht nur bei der Vergangenheit stehen bleiben, sondern den Blick auf unsere gemeinsame europäische Zukunft richten.
Vielen Dank!
Dieter Dombrowski (Präsident UOKG) Berlin
Herr Bürgermeister, meine sehr geehrte Damen und Herren, seien Sie alle herzlich gegrüßt usw., Dank vor allem denjenigen, die diesen Erinnerungsort ermöglicht haben.
Es ist bürgerschaftliches Arrangement, länderübergreifend, wie es vorbildlicher nicht sein könnte.
Mein Name ist Dieter Dombrowski, ich bin Vorsitzender der UOKG in Deutschland, sind Dachverband von dreiundvierzig Initiativen, Verbänden und Vereinen, die alle Betroffene vertreten oder aber in der Gedenkarbeit tätig sind und wenn ich alle Mitgliedsverbände zusammennehme, sind wir rund eine Millionenorganisierte Mitgliederusw.
Heute haben wir uns hier versammelt, um Hartmut Tautz zu gedenken, der ein junger Mann war mit seinen Hoffnungen und Erwartungen.
Mir geht es immer so, wenn ich in der Bernauer Straße ne Mauergedenkstätte in Berlin, in die Portraits gucke, der bekannten Opfer an diesen Stellen, dann habe ich immer eine Gänsehaut, weil ich mich in jeden versuche reinzuversetzen, als würden diese Bilder zu mir sprechen.
Und denke, was hätten diese Menschen, wie auch H. Tautz noch erleben, noch schaffen, noch nützliches tun können, welche Erfolge, Misserfolge in eigener Verantwortung hätten sie gestalten können und erleben können.Das war ihm nicht vergönnt, Schicksale wie seine gibt es viele, seins war besonders grausam durch die Todesumstände und … was zeigt uns das eigentlich?
Ich bin jetzt 75 Jahre alt, komme aus einer katholischen Familie, von acht Geschwistern waren sechs in der DDR politisch inhaftiert.
Das hat uns nicht gebrochen, wir haben´s alle überstanden, nicht so wie H. Tautz und Andere, wir sind daran gewachsen.
Das ist aber nicht selbstverständlich, viele Menschen zerbrechen an ihren Schicksalen und am Ende, das sehen wir in Deutschland, bei den ehemaligen Grenzsoldaten-Prozessen, wurden in der Regel Alle freigesprochen.
Und warum? Weil sie sich berufen konnten auf Befehle, nun ist die Frage: was ist eigentlich wichtig im Leben für uns Menschen?
Ist es für uns wichtig immer Befehle zu befolgen? Oder ist es nicht so, dass am Ende wir vor einer größeren Verantwortung stehen, uns zu rechtfertigen und zu entscheiden und am Ende ist es dann wohl die Entscheidung: wie gehe ich mit einem Befehl um?
Sei er vor Ort gegeben, wie bei den Nationalsozialisten Menschen zu erschießen, die unschuldig waren, dann drücke ich ab und erschieße ich, hat er ein Befehl in einer Situation der Grenzöffnung in Berlin wie auch hier, wo einmal Menschen standen, die über die Grenze wollten. Was macht der Beamte dann?
Hält er sich an Befehle, die keiner mehr gegeben hat, aber die in der Welt sind, nämlich seine Aufgabe diese Grenze zu schützen, oder übernimmt er Verantwortung?
Und ich denke am Ende sollte Niemand darum herumkommen, persönlich Verantwortung zu übernehmen für sein letztendliches Handeln und auch die Frage zu beantworten: Ist mein Leben eigentlich mehr wert als das Leben eines anderen Menschen, auch wenn ich ihn persönlich gar nicht kenne? In der Familie wird das Jeder sofort beantworten.
Natürlich stehe ich bereit und gebe Alles, aber wie ist es bei Menschen, die ich nicht kenne?
Haben die eine andere Würde? Haben die nicht die gleichen Rechte wie meine Familie oder ich? Und ich denke über diese Frage, ob Christ oder nicht Christ, ob als Humanist oder einfach als guter Mensch? Beantwortet mit: mein Leben ist nicht mehr wert, als das eines anderen. Wer soll auch die Kraft haben zu entscheiden: ich handle jetzt nicht so, wie von mir verlangt, sondern wie mein Herz, wie mein Verstand, wie mein Gewissen es mir befiehlt.
Herr Bela ist einer von denen, die das für sich entschieden haben. Andere auch, aber Sie eben auch und dafür gebührt Ihnen Dank, weil dies zeigt das dies ein großes Verständnis für Menschlichkeit und Verantwortung ist. Wir haben auch vorhin schon gesprochen und wenn jemand einen anderen Menschen erschießt, jetzt nicht nur irgendein Bandenkrieg oder so, sondern ä´ im Auftrag ja eines Staates oder einer anderen Gewalt, dann ist das sicherlich in dem Moment dann geschehen wenn´s geschehen ist, wenn ich entschieden habe abzudrücken oder die Hunde von der Leine zu lassen.
Aber ich glaube das dies dann auch die Menschen, so sie überhaupt noch …. vor die Frage stellen: war das richtig was ich jetzt gemacht habe? Für all diejenigen, die die Kraft finden im richtigen Moment das Richtige zu tun, im Sinne der Menschlichkeit, denen gebührt Dank.
Und nun soll das nicht nur ein Gedenken sein, es soll ja auch eine Mahnung sein an unser Handeln, vielleicht an uns die hier stehen, aber auch an andere und in Deutschland ä verlegen wir, die verschiedenen Initiativen Stolpersteine, ä an Häusern, an Wohnhäusern wo ehemalige Bürger, Jüdin und Juden in der Regel gewohnt haben, die von Nazis ermordet worden, aber auch in der Zeit des Kommunismus schweres Leid haben ertragen müssen, die …. auch Stolpersteine. Und man kann immer wieder fragen in Deutschland: haben wir nicht schon genug Stolpersteine? Nein haben wir nicht, denn die die hier versammelt sind, die interessieren sich, die wissen worum es geht.
Und die Menschen die im Alltagsleben ihre Dinge gestalten, die denken jeden Tag zuerst an so etwas und diese Menschen, wenn sie spazieren gehen zu erreichen, mal zu lesen und darüber nachzudenken das ist wichtig, von daher gibt es solche Initiativen, die kann es gar nicht genug geben. Wir müssen den Menschen, die alle ihr Tagewerk zu verrichten haben so viele Stolpersteine anbieten wie es nur möglich ist. Denn das was wir hier erlebt haben, was uns hier zusammengeführt hat, ist eine tägliche Herausforderung für uns.
Es geht ja nicht immer nur um Leben oder Tod, zum Glück heutzutage, aber wie gehen wir mit den Schicksalen anderer Menschen um? Sind wir sensibel genug? Kümmern wir uns um Familie, oder sind uns die Anderen, auch außerhalb unseres Dorfes, unserer Straße, sind die uns auch wichtig?
Das sollte uns eigentlich leiten und das finde ich, wenn wir das auch weitertragen könnten, wäre das schön, ist auch Motivation für uns Alle noch weiter zu arbeiten.
Wolfgang Bachkönig (Projektinitiator/Österreich)
Sehr geehrte Frau Zupke, Frau Dr. Schönemakers, usw., wir stehen heute an einem historischen Ort und es ist für uns kaum vorstellbar, dass vor mehr als dreißig Jahren noch ä der eiserne Vorhang die Demokratie ä des Westens von der Diktatur des Ostens trennte.
Diese schreckliche, menschenverachtende Grenze zog sich von ä der Barentssee an der finnisch russischen Grenze bis an die türkisch bulgarische Grenze und erstreckte sich über zirka zehntausend Kilometern. Das Burgenland wurde dabei über vierhundert Kilometer von dem Osten durch diese schreckliche Grenze getrennt.
Elf Kilometer davon gingen ä zur damaligen Tschecheslovakei. Etwa eine Millionen Minen waren verlegt, bewaffnete Soldaten ä und Stacheldraht, machten es nahezu unmöglich diesen Diktaturen zu entkommen.
Millionen von Menschen waren eingesperrt, viele riskierten zur Erlangung der Freiheit ihr Leben. Im Laufe der Jahre gab es an dieser schrecklichen Grenze viele Tote und Verletzte.
Wir müssen ihnen stets ein ehrendes Andenken bewahren.
Denn nur durch den Einsatz ihres Lebens und dem Drang nach Freiheit haben sie es erreicht, dass Millionen von Menschen jetzt in Freiheit leben können.
Doch wann wurde dieses Wort „eiserner Vorhang“ geprägt?
Monate vor der Potsdamer Konferenz im Jahre 1945, bevor Europa unter den Siegermächten aufgeteilt wurde, sagte bereits Winston Churchil am 5.3.1945 während einer Konferenz in Westminster College in Missouri, ich zitiere wörtlich: „Wir verstehen, das Rooswell seine Grenzen im Westen gegen einen eventuellen deutschen Angriff sichern muss.“
Von Stettin an der Ostsee bis hinunter zur Adria, ist ein Eiserner Vorhang über den Kontinent gezogen. Hinter jeder Linie liegen alle Hauptstädte der alten Staaten Zentral – und Osteuropas.
Warschau, Berlin, Prag, Wien, Budapest, Belgrad, Bukarest und Sofia.
Aber auch Konrad Adenauer, der deutsche Bundeskanzler der Nachkriegszeit, bezeichnet in einem Brief die innerdeutsche Grenze bereits als eisernen Vorhang. Doch lassen Sie mich das Rad der Zeitum einige Jahrzehnte zurückdrehen.
Während der eiserne Vorhang zur Tschechoslowakei bereits im Herbst 1947 geschlossen war, zog Ungarn erst die Reißleine zwei Jahre später und schloss seine Grenzen zum Westen im Jahr 1949.
Für uns Burgenländer war ab diesem Zeitpunkt an der Grenze zum Osten die Welt zu ende.
Jeglicher Kontakt der Menschen dies und jenseits der Grenze war zum Stillstand gekommen.
Das Burgenland galt über Jahrzehnte als das Armenhaus von Österreich.
Nach erfolglosen Versuchen der DDR und Polen sich von der Unterdrückung durch die Sowjetunion zu befreien, versuchte es Ungarn im Jahre 1956 abermals.
Als im Herbst dieses Jahres 1956 Teile des Eisernen Vorhanges entfernt wurden und Minen ebenfalls entfernt wurden, dachten die Ungarn, sie könnten das schaffen. Sie hatten bereits einen Hauch von Freiheit in ihrem Gesicht. Doch es gab bereits eine Schattenregierung in Debrecin und die Sowjetunion, die Russen marschierten am vierten November 1956 in Budapest ein.
Es kam zu schweren Gefechten, wobei 3500 Ungarn den Tod fanden.
Der Eiserne Vorrang wurde wieder geschlossen. Minenfelder, Stacheldraht und bewaffnete Soldaten prägten neuerlich das Bild an der Grenze und hinderten die Menschen in die Freiheit zu kommen. Im Gegensatz zur Tschechoslowakei verssuchte Ungarn immer wieder die Annäherung an den Westen, der ihnen auch wirtschaftliche Hilfe gewährte.
Als Gegenleistung aber mussten die Ungarn sämtliche Minen an der Grenze zum Burgenland entfernen und das taten sie auch. Ende 1960 gab es an der burgenländlichen ungarischen Grenze mehr keine einzige Mine. Aber die Sicherung der Grenze blieb dennoch offen.
Es wurde ein Stacheldraht hochgezogen, der wurde elektrifiziert und durch technische Sperren unterstützt. Die Grenze zur Tschechoslowakeiblieb vorerst weiter vermint.
Ich habe hier einige statistische Zahlen herausgesucht die mir eigentlich nur von der burgenländlichen tschechischen Grenze vorliegen.
In der Zeit zwischen 1970 und 1988 gab es 13000 Fluchtversuche, wovon 400 geglückt sind. Neun Menschen verloren ihr Leben, die Zahl der Verletzten ist mir nicht bekannt.
Aber was war in der Zeit von 1949 bis 1956 und von 1956 bis zum Jahr 1970?
Hier gibt es keine Zahlen, die werden wahrscheinlich bis heute noch in den Archiven schlummern. Auch die Tschechoslowakei wollte im Jahre 1968 mit dem Prager Frühling, sich von der Sowjetunion befreien. Wollte, denn sie schaffte es nicht.
Panzer marschierten, in Preßburg unweit von hier auf und ä unterdrückten jeglichen Drang der Freiheit dieses Volkes und beendeten abrupt ihr Streben.
Der Zaun blieb weiterhin aufrecht und forderte seine Opfer. Zahlreiche Chroniken der Gendarmerieposten an der Grenze, geben Zeugnis über viele schreckliche Zwischenfälle, über die ich in meinen Büchern berichtet habe.
Eine Aufzählung dieser schrecklichen Ereignisse würde hier den Rahmen sprengen.
Über einen Zwischenfall, der sich in unmittelbarer Nähe hier ereignet hat, möchte ich noch kurz erwähnen.
Ich zitiere wörtlich aus … „Die österreichischen StaatsbürgerFriedrich und Willibald B aus Schwechat überschritten am 7 August 1967 nachmittags, auf der nach Preßburg führenden Bundesstraße 50, das war hier, beim abgesperrten Grenzbaum unbefugt die österreichisch slowakische Grenze und begaben sich etwa 500 Meter auf slowakisches Gebiet.
Da sie bei Anrufen der tschechoslowakischen Grenzorgane nicht stehen blieben, sondern flüchteten, wurde von den Grenzsoldaten 7 bis 8 Schüsse abgegeben, von denen einer Willibald B von hinten, unterhalb des linken Knies traf. Es war ein Durchschuss wobei das Projektil vorne wieder ausgetreten ist. Den Beidengelang es, auf österreichisches Staatsgebiet zu flüchten, von den Soldaten wurden sie nicht weiterverfolgt.
Willibald B. wurde in ein Krankenhaus eingeliefert uns operiert. Wir machen jetzt einen kleinen Sprung in die 1980´ger Jahre, Als M. Gorbatschow im Jahre 1985 eine bereits desolate Sowjetunion übernahm, sah Ungarn seine Chance sich abermals von dem sowjetischen …Joch zu befreien. Es dauerte aber noch bis zum Jahre 1989.
Unweit von hier zwischen Nickeldorf und …(irgendein slawischer Ort) begann Ungarn vorerst in geheimer Mission mit dem Abbau des Eisernen Vorhangs.
Geheim war das nicht, denn Alle, sämtliche Geheimdienste usw. überwachten das.
Als aus der Sowjetunion keine Reaktionen kamen, gab es am 2. Mai 1989 eine Pressekonferenz in der Ungarn bekannt gab, dass ab sofort der Strom abgeschaltet und der Stacheldraht abgebaut wird.
Das dies zum Zusammenbruch des Kommunismus, dem vorschnelligem Abbaudes Eisernen Vorhanges, sowie der geopolitischen Neuordnung in Europa führen würde, konnte damals noch Niemand ahnen.
Was in den folgenden Monaten passierte, ist uns Allen bekannt. Schlussendlich gestaltete Ungarn am 11. September 1989 die legale Ausreise aller in der DDR ausreisenden Bürger.
Am 30. September folgte dem auch die Tschechoslowakei.
Aus der deutschen Botschaft durften die Menschen ebenfalls legal ausreisen.
Mit dem Fall der Berliner Mauer und der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten, war der eiserne Vorhang wenige Wochen danach Geschichte.
Lassen Sie mich noch einige Worte zu jenem Mann sagen, zu Oberstleutnant in Ruhe Abert Bela.
Der eigentlich einer der Väter war, die den eisernen Vorhang zu Fall gebracht haben.
Es war der 19. August 1989, als der damals junge Oberstleutnant an die Grenze zwischen St. Marmelten und Sobron abkommandiert wurde. Er sollte einen Grenzübergang für drei Stunden mit seinen Mannen überwachen. Man gab ihm nur ganz wenige Informationen.
Er wusste damals nicht, dass bereits etwa 700 Leute in den Gebüschen auf die Chance warteten in die Freiheit zu kommen. Es gab damals noch den Schießbefehl gegen Menschenmassen und im Falle gerechter Notwehr. Als Abert Bela dieses Tor öffnete, strömten auf einmal die Menschenmassen aus den Gebüschen heraus und drückten das nach innen aufgehende Tor nach außen. Ä´ seine Grenzsoldaten starrten Ihn an. Chef, was sollen wir tun?
Abert Bela zögerte keine Sekunde, Minuten hatte er nicht und sagte „dreht´s euch um, dann seht ihr nichts“ und seine Leute haben sich umgedreht und die Menschen sind durch dieses Tor hindurch und sind in der Freiheit gewesen. Er hat eine Verantwortung getragen, die er damals gar nicht tragen hätte dürfen und konnte.
Er hat es gemacht, er hat gesagt in einem Interview in meinem Buch „Menschen sind mir wichtiger als Gesetze“ und daran hat er sich gehalten. Es wurde nachher ein Disziplinsrverfahren gegen ihn eingeleitet, aber es ist anders gekommen, der eiserne Vorhang fiel und Schluss endlich nach einigen Jahren, wurde Oberstleutnant Abert Bela mit einem der höchsten Orden, die Ungarn zu vergeben hat ausgezeichnet.
Priester Ján Košiar aus Bratislava segnete das Denkmal für H. Tautz in Kittsee.
Lieber Hartmut, ich bitte dich im Namen meiner Mitbürger, der damaligen Soldaten, die die Hunde auf dich hetzten und dir keine Erste Hilfe leisteten, um Vergebung.
Sehr geehrte Gäste, verehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Frau Evelyn Zupke, Bevollmächtigte der Opfer der SED-Diktatur im Deutschen Bundestag, sehr geehrter Herr Frank Dickmann vom Verein der Stalinismusopfer, sehr geehrte Frau Christine Schoenmakers von der Stiftung des Bundes zur Erforschung der SED-Diktatur, sehr geehrter Herr Dieter Dombrowski, Vorsitzender des Deutschen Verbandes der Opfer kommunistischer Gewalt (UOKG), sehr geehrter Herr Bürgermeister der Gemeinde Kittsee, Johannes Hornek, sehr geehrter Herr Wolfgang Bachkönig , der Initiator dieses Projekts, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste!
Es ist mir eine Ehre, Sie alle im Namen der internationalen Organisation politischer Gefangener Inter-Asso mit Sitz in Berlin zu grüßen. Ihr Vorsitzender, Dr. Peter Keup aus Berlin, sendet Ihnen seine herzlichsten Grüße. Ich grüße Sie außerdem im Namen unserer slowakischen Organisation „Politische Gefangene – Antikommunistischer Widerstandsverein“.
Segnung der Gedenktafel
Herr, allmächtiger Gott, lass alles, was aus Staub entstanden ist, wieder zu Staub werden. Wir bitten dich, segne diese Gedenktafel, damit die Erinnerung an unseren Bruder, den Märtyrer Hartmut, niemals aus unseren Herzen verblasse, in der Hoffnung, ihn in der Ewigkeit wiederzusehen. Durch Christus, unseren Herrn. Amen.
Vater unser im Himmel,
geheiligt werde dein Name,
dein Reich komme,
dein Wille geschehe wie im Himmel,
so auf Erden.
Unser tägliches Brot gib uns heute
und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen. Amen.
Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang, so auch jetzt und allezeit und in Ewigkeit. Amen.
Herr, gib Hartmut die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihm.
Herr, lass ihn ruhen in Frieden. Amen.
Der Herr sei mit euch. Und mit Deinem Geiste.
Es segne euch der allmächtige Gott: der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.
Frank Dickmann
(Delegierter der VOS Niedersachsen / BG Hannover)
